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Santa am 12. November 2008 um 04:26
Christnacht
Durch die Fenster seh ich’s flimmern, Grün und Gold und Kerzenschein, jauchzend hör’ ich durch die Laden helle Kinderstimmen schrein.
Schmetternde Posaunen schallen von dem Kirchturme herab: Lobt den Vater in der Höhe, der der Welt das Kindlein gab!
Herz, mein Herz, wie bist du selig? Herz, mein Herz, und so allein? Unsre Gaben, unsre Wünsche, dürfen wir sie keinem weihn?
Eine weiß ich wohl zu finden, der ich vieles gönnen mag. Offen steht mir ihre Pforte, und es kennt mich ihr Gemach.
Aber in dem stillen Hause brennt kein festlich helles Licht und im schwarzen Wochenkleide sitzt sie da und freut sich nicht.
Ach, ihr ist er nicht geboren, der in dieser sel’gen Nacht Freud’ und Fried und Wohlgefallen hat zu uns herab gebracht.
Seine Liebe, seine Leiden dringen nicht zu ihr hinein! Über ihre zarte Seele herrschet ein Gesetz von Stein.
Wilhelm Müller 1794 - 1827

Knecht Ruprecht
Von drauß vom Walde komm’ ich her, ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen sah ich goldene Lichtlein sitzen.
Und droben aus dem Himmelstor sah mit großen Augen das Christkind hervor.
Und wie ich so strolcht’ durch den finstern Tann, da rief’s mich mit heller Stimme an:
“Knecht Ruprecht”, rief es, “alter Gesell, hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an, das Himmelstor ist aufgetan,
Alt’ und Junge sollen nun von der Jagd des Lebens ruhn.
Und morgen flieg’ ich hinab zur Erden, denn es soll wieder Weihnachten werden!”
Ich sprach: “O lieber Herre Christ, meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in diese Stadt, wo’s eitel gute Kinder hat.”
“Hast denn das Säcklein auch bei dir?” Ich sprach: “Das Säcklein, das ist hier,
denn Äpfel, Nuss und Mandelkern essen fromme Kinder gern.”
“Hast denn die Rute auch bei dir?” Ich sprach: “Die Rute, die ist hier,
doch für die Kinder nur, die schlechten, die trifft sie auf den Teil, den rechten.”
Christkindlein sprach: “So ist es recht; So geh mit Gott, mein treuer Knecht!”
Von drauß vom Walde komm’ ich her; Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich’s hierinnen find’! Sind’s gute Kind, sind’s böse Kind?
Theodor Storm (1817-1888)










Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen
Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen!
Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee,
mit rotgefrorenem Näschen.
Die kleinen Hände taten ihm weh,
denn es trug einen Sack, der war gar schwer,
schleppte und polterte hinter ihm her.
Was drin war, möchtet ihr wissen?
Ihre Naseweise, ihr Schelmenpack -
denkt ihr, er wäre offen der Sack?
Zugebunden bis oben hin!
Doch war gewiss etwas Schönes drin!
Es roch so nach Äpfeln und Nüssen!
Anna Ritter (1865-1921)










Christbescherung
Der Christnacht heilig’ Offenbaren, das einst an alles Volk erging,
die Kunde, die durch Engelscharen zuerst das arme Volk empfing:
Die Liebe ist zur Welt gekommen, um einen neuen Bund zu weihn,
ein reines Licht ist hell entglommen, ein Stern mit wunderreichem Schein!
Die Kunde klingt aufs neue wieder zu uns in jeder Weihnachtszeit
sie tönt durch alle Festeslieder in jedem Gruß von nah und weit.
Die Liebe soll die Welt regieren! Das ist die Losung allerwärts,
die Lichter, die den Christbaum zieren wie strahlen sie in jedes Herz;
Und all die Gaben, lichtumschwommen, für jung und alt, für groß und klein:
Vom Himmel scheinen sie gekommen in einer Wundernacht zu sein!
Doch all das Wunder zu vollenden, viel Sorgen gab es Tag und Nacht.
Viel Mühen von geschäft’gen Händen, viel Opfer freudig dargebracht.
Die Liebe soll die Welt regieren, und Weihnacht zeigt, dass sie’s vermag,
doch höhres Ziel muss sie sich küren, als schaffen nur für einen Tag,
Der eine Tag soll allen lehren: Solch Mühn und Opfern wohl uns ziert,
die wir das Wort der Weihnacht ehren: Dass Liebe nur die Welt regiert.
Auch Völkerwünsche sich erfüllen nicht durch das Wunder einer Nacht,
drum mühe jeder sich im stillen bis einst das Liebeswerk vollbracht!
Bis dass im ganzen Vaterlande der Freiheit Christbaum leuchtend glüht,
solch Wunder kommt gewiss zu Stande wenn alles Volk darum sich müht.
Louise Otto (1819-1895)

